Man muss sich hier manchmal lächelnd fragen ob das deren Ernst ist und sich einfach in Gelassenheit üben.
Wer das nicht kann, ist auf dieser Insel fehl am Platz. Der Polynesier an sich kann nämlich nicht wirklich nein sagen, was hier und da schonmal zu Schwierigkeiten oder Missverständnissen führen kann.
Auch sonst sind die Auffassung von Pflichtbewusstsein und – nennen wir es mal – Professionalität hier etwas anders gelagert, wie ich gestern Abend wieder bemerken durfte.
Abschiede
Da meine Tage auf Aitutaki nun leider gezählt sind, war ich vorgestern erst mit Paul nochmal verabredet, um ihm seinen Kiterucksack, die Regenjacke und meine Lieblings-Kite-Unterhose wieder zu geben. Bei der Gelegenheit haben wir nochmal die Optimierung seiner Webseite besprochen und zum Dank gabs Essen vom „China-Laden“ mitm Bier am Strand.

Gestern Abend bin ich mit Sonja dann zum Abschiedsessen in das bekannte „Avatea-Café“ gefahren, weil ich es noch nicht kannte und das Essen recht gut sein soll (Und wenn Sonja das schon sagt, heißt das ja was 😜). Ist ganz süß da. Ein umgebauter Überseecontainer mit überdachter Terrasse und Minishop.
Wie auch schon an anderen Ecken, Läden oder Sehenswürdigkeiten muss ich feststellen, dass die Cookislands in Punkto Außenwirkung und Internetauftritt einen guten Job machen. Werbung ist ja bekanntlich das, was man sein will aber nicht zwingendermaßen ist😜.
Das Wenigste, was all die Hochglanzbildchen darstellen entspricht der Realität (Mal von der Natur, der Lagune und den Meeresfarben abgesehen) und all die überschwänglichen positiven Bewertungen erstaunen mich augenzwinkernd doch hier und da. Aber eben alles eine Frage der Relation und Erwartungshaltung. Ich würde vieles eher als „stets bemüht“, charmant und chaotisch bezeichnen, gewürzt mit etwas kopfloser Trödelei und Schulterzucken.
Avatea Café
So hatte ich mit Sonja gestern mal wieder einen so lustigen Abend, dass wir fast in die Hose gemacht haben vor Lachen. Andere hätten vielleicht eher das Lokal verlassen, inkl. einer Beschwerde oder schlechten Bewertung. Wir haben uns einfach nur amüsiert.
Im Café angekommen begrüßte uns ein junger Kerl, geschätzte 16, der wissen wollte, ob wir reserviert hätten. Sonja (die er scheinbar nicht kannte, wie auch die anderen beiden blutjungen Servicekräfte) bejahte und fragte wo denn die Chefin sei. Ob sie nicht da sei. „Doch, ich glaub schon“, war seine Antwort, worauf Sonja sagte: „Wieso glaubst du das nur? Arbeitest du nicht hier?“ Doch, aber es sei sein erster Tag.
Im weiteren Verlauf des Abends lungerte oder schluffte der Typ unachtsam rum, setzte sich dann irgendwann an einen leeren (Gäste-)Tisch, aß einen Burger und begann ein Videotelefonat. Natürlich ohne Kopfhörer🤣.
Der Typ, der uns dann bediente hatte sein zweiten Arbeitstag und war auch nicht besser. Er schien von Anfang an völlig überfordert (ohne Schreibblock ging gar nichts). Ich musste schon die ganze Zeit grinsen, da ich ständig an den IT-Helpdesk-Support denken musste, mit dem ich normalerweise jobseitig täglich zu tun habe. Sobald du etwas bestellt hast, hat er deine Bestellung nochmal wiederholt, um dann bei der zweiten Wiederholung alles durcheinander zu bringen und dann erklärst Du alles nochmal von vorne in der Hoffnung er hats jetzt kapiert.
Als Sonja ihn dann auch noch fragte, ob sie die Fischplatte vielleicht mit Nudeln anstelle von Reis haben könne, war es völlig mit ihm vorbei. Er ging sich an der Bar rückversichern, kam zurück und wir hatten beide keine Ahnung, was er uns dann erklären wollte😄😄. Sonja hat in Seelenruhe immer wieder nachgefragt.. Ob er meine, dass sie keine Nudeln haben könne, dafür aber die Curry-Sauce vom Hühnchen-Curry??? Das sei ja ein ganz anderes Gericht und Curry ein völlig anderer Geschmack… Sagt er doch glatt: „Ja. Schon okay, wenn du das nicht magst.“😅😅.
Sonja hat dann völlig perplex erwidert, dass sie dann doch das ursprüngliche Gericht nähme, mit allem was dazu gehört. Das hat der Typ dann wiederum auch nicht verstanden…“Na, alles was dazu gehört.“ und sie las ihm die Karte vor. Da konnte ich schon nicht mehr aufhören zu lachen.

Lach-Endstufe war dann aber als Sonja nach einer köstlichen Vorspeise eine Fingerschale für uns bestellte. Der Typ wiederholte die Bestellung wieder, mit Riesenfragezeichen im Gesicht, rannte zur Bar, wo er sich ratlos an seine drei Kolleg:innen wandte, die auch nur mit den Schultern zuckten.

Nach ein paar Minuten kam er zurück, stellte erst ein Glastellerchen vor mich und platzierte dann eine riesige Schüssel mit Seifenlauge vor mir (passte nicht auf das Glastellerchen) mit der Frage ob es das sei, was wir wünschen. Da musste sogar das Touripärchen am Nachbartisch herzhaft lachen, denen wir die Schale auch direkt noch angeboten haben.
Ich glaube in Deutschland hätten diese Servicekräfte vermutlich ihren ersten und letzten Tag gehabt. 😁
Das Essen war alles in allem gut, wir waren satt und ich wolte Sonja die Bezahlung gerade abnehmen, als diese nochmal fragte, warum die Chefin denn nicht Hallo gesagt hat. Da erklärte uns der Barmann sie sei in der Küche beschäftigt, Rechnung ginge aufs Haus.
Gelungener Abend! Just go with the flow!
Mit Mama Mareiti bin ich dann heute Nachmittag noch auf einen Milchshake und köstliche (Thun-)Fish & Chips raus und jetzt gerade nehmen wir noch einen Abschiedsdrink auf der Terrasse.
Ihre Vollverpflegung und Insel-Klatsch werden mir sicherlich ebenso fehlen wie die verschmitzte Sonja mit unseren tiefgründigen Gesprächen. Danke dafür!
Morgen geht es weiter!

